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Illusion des Habens

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© Mandalon Verlag 1996- 2006.

Illusion des Habens

Wir haben Zeit, wir haben Jahre, wir haben sie. Sie ist ein Gut.
Von wem haben wir das Gut Zeit bekommen?
Ein Geschenk Gottes, ein Geschenk dessen, das uns alle trägt ?

Wir haben Zeit. Ja, lasst uns das Wichtige doch morgen erledigen, heute, nein, heute ist das zu unangenehm. Die Robben sterben. Ja, in 10 - 15 Jahren wird nur ein kleiner Teil der Gifte in die Nordsee eingeleitet. Dann wird alles besser.

Wir haben Zeit oder nur die Illusion, sie zu haben. Wir haben Zukunft, wir tun so, als gäbe es ein Gut, das Zukunft heißt. Auf dieses Gut haben wir Anspruch, es vergeht, verdirbt nicht. Wir denken schon an danach, und wir neigen dazu, zu vergessen, das im Heute, dem "Hier und Jetzt" die Zukunft schon enthalten ist.

Wenn wir unser Heute zerstören, zerstören wir auch unsere Zukunft.

Es ist schwer für mich wahrzunehmen, dass ich mich heute verhalten muss, damit ein Morgen überhaupt eine Chance hat. Es ist eine Illusion zu glauben, wir könnten zwischen heute, gestern und morgen trennen. Immer wieder werden Gifte gefunden, immer wieder werden Bomben entschärft und immer weiter rosten die Gift-Kanister im Meer und ... .

Es ist eine Illusion zu glauben, es gibt uns und es gibt Umwelt. Es gibt uns, und wir sind die Umwelt.

Schlecht mit uns umgehen, mit unserem Körper, mit unserer Psyche heißt auch schlecht mit der Umwelt umgehen. Wir können nicht weiterhin uns davon trennen, von dem wir leben, worin wir leben.

Diese Trennung, Aufspaltung in ein Außen und Innen, in Wir und Umwelt lässt zu, dass wir unsere eigenen Zerstörungen auf das Außen projizieren können und macht uns glauben, wie heil wir sind, wie schlimm aber unsere Umwelt zerstört ist.

Wir, oder zumindest eine ganze Menge Menschen, wundern uns, dass die Umweltzerstörung weitergeht, obwohl alle sehen können, wo das endet, und doch leben wir weiter die Illusion, alles wieder in der Griff zu bekommen. Das, was im Wasser an Pflanzenschutzmitteln enthalten ist, das werden wir nie mehr herausbekommen und das, was wir weiter ins Meer schütten, das werden wir nie mehr herausfiltern können. Die Zähne, die wir mit falscher Ernährung zerstören, lassen sich nicht ersetzen. Es lässt sich nur die Illusion der Ersetzung leben.

Wie schwer ist es für uns, damit in Kontakt zu kommen, dass diese Umwelt, dass diese Welt wir sind, dass wir dazu gehören. Es existiert keine Trennung zwischen uns und dem was dort geschieht, so dass wir mit dem anderen nichts zu tun haben.

Wenn wir uns trauen, mehr mit unseren eigenen zerstörerischen Kräften, mit unseren Schattenseiten in uns in Kontakt zu kommen, wenn wir wahrnehmen, wie wir uns auf der Ebene des Körpers, der Psyche, des Geistes zerstören können, dann haben wir die Chance der Wandlung, dann haben wir die Chance, diese Kräfte auch heilend für uns einzusetzen.

Nicht die Natur, sondern der Mensch hat den Strick geknüpft, mit dem wir uns jeder Zeit mittlerweile exekutieren können.

Wir sehen die Menschen, die sich zerstören mit Gewalt, mit Drogen, mit Krieg, mit Autos, und wir brauchen anscheinend diese Menschen, damit wir uns mit unserem eigenen Schatten nicht beschäftigen müssen. Denn wenn der Einzelne sich der Gegensätze, der unangenehmen Seiten nicht berußt wird, dann Muss die Welt den Konflikt darstellen.

Wir retten uns, indem wir glauben, wir könnten trennen zwischen diesen Schicksalen und unserem Leben. So wie unser Körper Zeichen und Symptome hervorbringt, so bringt auch der gesamte Organismus Welt Zeichen hervor.

Wann sind wir bereit, diese Zeichen zu sehen, und überlassen dies nicht den Erleuchteten, Schamanen, Priestern .... . Wie können wir uns darauf vorbereiten, die Augen aufzumachen.

Wenn wir an uns und mit uns etwas machen, dann verändern wir auch das Ganze. Erst wenn wir uns als ein Teil des Ganzen begreifen, begreifen wir unsere Möglichkeiten. In unserer Existenz sind wir einzigartig, es gibt uns Hier und Jetzt nur einmal, es gab uns in dieser Form nicht, und es wird uns in dieser Form auch nicht wieder geben. Wenn wir uns auf diese existentielle Seinsweise einlassen können und uns dessen bewusst werden, dann haben wir die Chance und die Verantwortung, jetzt etwas zu tun.

Die Welt mit Menschen hängt an dem seidenen Faden der menschlichen Psyche. Was wir jetzt tun, hat Auswirkungen. Wenn wir uns verändern, muss sich alles andere mit verändern, auch wenn wir es nicht glauben, nicht wahrhaben wollen. Oft retten wir uns damit, dass wir meinen, wir könnten doch nichts bewirken, die andern machen doch, was sie wollen. Oft verstecken wir uns hinter Sinnlosigkeit.

Es ist einfacher, den anderen mächtig zu machen, als die eigene Macht zu begreifen und die Verantwortung zu übernehmen für unser "Hier und Jetzt".

Das geht uns alle an, auch wenn wir lieber einen Teil ausgrenzen und versuchen, unsere Kinder davon fern zu halten. Das geht uns ganz an, auch wenn wir lieber das Unangenehme im Schatten lassen wollen.

Praxis Dipl.Psychologe Hans Jörgen Wevers


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