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T-O häusliche Gewalt

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 Täter-Opfer in häuslicher Gewalt

In einer gewalttätigen Beziehung beginnt der Kreislauf der Abhängigkeit allmählich. Bereits in der Phase des Verliebtseins, in der die Frau sich emotional bindet, sind die ersten Anzeichen von Unterdrückung erkennbar, die einen Einstieg in eine extreme Abhängigkeit erkennen lassen. Frauen interpretieren das besitzergreifende Verhalten des Mannes anfangs als Zeichen von Leidenschaft und Liebe. Wird sein Verhalten mit der Zeit herrischer, versucht sie es herunterzuspielen oder entschuldigt es sogar. Dies geschieht nicht nur aus Angst, sondern auch aus Liebe zu ihm.

H. L. Hermann vergleicht die Dynamik häuslicher Gewalt mit der von Institutionen organisierter sexueller Ausbeutung, Gefängnissen, Konzentrations- und Zwangslagern, religiöser Sekten, Bordellen. Es sind jeweils Situationen, aus denen das Opfer nach Traumatisierung nicht flieht oder nicht fliehen kann und unter der Kontrolle des Täters steht. Häusliche Gewalt kann einer Gefangenschaft gleichen. Sie ist jedoch nicht an äußeren Barrieren erkennbar. Die Barrieren, die eine Flucht verhindern, sind zwar in der Regel unsichtbar aber trotzdem äußerst wirksam. In der Gefangenschaft, wenn Opfer und Täter über längere Zeit Kontakt haben, entsteht eine Beziehung, die von Zwang und Unterwerfung geprägt ist. Dies betrifft Opfer, die mit Gewalt oder durch eine Mischung von Gewalt, Einschüchterung und Verführung festgehalten werden. In der Gefangenschaft wird der Täter im Leben des Opfers der wichtigste Mensch, denn die Psyche des Opfers ist durch Taten und Ansichten des Täters geprägt.

Es geht dem Täter um die Versklavung des Opfers. Dies erreicht er durch despotische Kontrolle sämtlicher Lebensbereiche des Opfers. Der Täter sucht die Zustimmung des Opfers, verlangt unablässig die Beteuerung seiner Liebe und Dankbarkeit. Der Täter verlangt von der Frau den totalen Gehorsam und den Beweis absoluter Treue. So ist es wichtig, dass das Opfer sämtliche Beziehungen, die es bisher hatte, abbricht.

Um das Opfer in einen ständigen Angstzustand zu versetzen, muss nicht unbedingt Gewalt angewandt werden. Sehr viel häufiger drohen Täter mit Tötung oder ernsthafter Verletzung. Sogar Drohungen gegen Außenstehende tun dabei ihre Wirkung. Das Opfer soll zu der Überzeugung gebracht werden, dass der Täter allmächtig ist und somit jegliche Gegenwehr sinnlos ist. Das Leben des Opfers scheint davon abzuhängen, alles dafür zu tun, um den Täter nachsichtig zu stimmen. Neben Angst versucht der Täter auch das Gefühl von Autonomie beim Opfer zu vernichten. Dies kann so weit gehen, das Körper und Körperfunktionen des Opfers peinlich überwacht werden. Zur Kontrolle über den Körper kommen fast immer sexuelle Drohungen und Übergriffe hinzu. Der Angriff auf die physische Autonomie erzeugt Scham und Erniedrigung.

Ist dem Täter die Herrschaft über das Opfer gelungen, ist er nicht mehr nur der, der Furcht und Erniedrigung bringt, sondern das Opfer erwartet auch Trost von ihm. Wem die Erfüllung der natürlichen Bedürfnisse lange verweigert wurde, für den ist die Hoffnung auf die Möglichkeit, Trost und Zuwendung zu bekommen, sehr verführerisch. Die je nach Laune zugestandene Vergünstigung untergräbt die psychische Widerstandskraft wirkungsvoller als unablässige Misshandlung.

Gelingt der Frau dennoch ein Fluchtversuch, kann der Täter sie in aller Regel durch Liebesbekundungen, Besserungsbekundungen und Appellen an die Treue und Mitgefühl zur Rückkehr überreden. Für den Moment scheint dann das Gleichgewicht der Macht in der Beziehung wieder hergestellt. Der Täter tut alles, um das Opfer zurückzugewinnen. Danach bekommt seine besitzergreifende Aufmerksamkeit eine andere Qualität; sein dominierendes Verhalten stelle lediglich den Beweis dafür da, wie sehr er seine Partnerin brauche und liebe. Sein Schicksal liege ganz in ihrer Hand und durch einen größeren Liebesbeweis könne sie die Gewalttätigkeiten beenden. Die Macht liege ganz in ihren Händen.

Praxis Dipl.Psychologe Hans Jörgen Wevers  


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