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alltäglicher Sadismus

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Alltäglicher Sadismus in der Gewaltdiskussion

Gesellschaftliche Macht und individuelle Ohnmacht liegen nahe beieinander.Alltäglicher Sadismus zeigt sich da, wo sich Machtdemonstration, Herrschaftsverhältnisse und Unterdrückung gesellschaftlich äußern. Wo bedingungslose Abhängigkeit, Schutzlosigkeit und Ausgeliefertsein legitim sind, wird Sadismus zu einem gängigen Verhalten.

Vergewaltigungen treten immer auch im Zusammenhang mit anderen Formen gesellschaftlich legitimierter Gewalt auf: in Kriegen, in totalitären Systemen, in totalitären Institutionen. Vergewaltigung wird zu einem allgemein verbreiteten Verhalten, dessen Männer sich bedienen, als Mittel der Machtdemonstration.

Patriarchale Haltungen und Chauvinismus sind bei vielen kriegerischen Auseinandersetzungen an sadistische, destruktive Zerstörungswut gekoppelt und wird auf die Gegner gerichtet. Der Hass richtet sich dabei auf gegnerische Männer, deren Besitz angeeignet und entwertet werden soll.

Kriegerische Auseinandersetzungen beginnen nicht selten mit der Begründung, die eigene Gruppe (Familie, Frau und Kinder) zu schützen und sich für sie Raum zu verschaffen. Damit werden Angehörige unbewusst als Aggressionsobjekt benannt. Beziehungsformen zwischen Frauen und Männern entsprechen in höchstem Maß gesellschaftlich gebilligter Strukturen. Dabei geht es auch immer um Aggressionen.

In Zeiten, wo sich archaische Wut und narzisstische Kränkungen im Zaum halten lassen und kompensiert werden können, also in so genannten Friedenszeiten, wird ein einzelner Vergewaltiger zur Bestie. Frauen und Männer scheinen sich dann im großen und ganzen in der Identifikation mit dem Opfer einig zu ein. Der Ruf nach Recht und Ordnung wird nicht selten gemeinsam laut. Eigene aggressive Impulse können im übertragenden Sinne ausgelebt werden.

Strukturelle Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern haben eine Aufspaltung der Lebensbereiche zwischen Frauen und Männern zur Folge. Weibliche Aggression ist gehemmt und führt einerseits zur übermäßigen Entladung (omnipotente Parolen schlagt zurück) und andererseits zu Schuldgefühlen und Rückzug. Indem Frauen sich als Akteurinnen oder Schuldige definieren, gewinnen sie die vermeintliche Kontrolle über die Bedingungen zurück, und heben ihre strukturell bedingte Ohnmacht scheinbar auf.

Wo Sadismus psychisch auftaucht, scheint er zum Unvorstellbaren zu werden weil er allen Beteiligten so vertraut ist. Faszination, Gruseln, der Wunsch nach Miterleben, das Anschauen von Gewalttätigkeiten, sind eine Äußerung der den Menschen offensichtlich innewohnenden Bereitschaft, sadistische Affekte zu mobilisieren.

Individuelle Störungen der Autonomieentwicklung können sich der gesellschaftlichen Unterdrückung und Herrschaft bedienen. Diese Strukturen bedingen ebenso, dass immer wieder neue Störungen produziert werden können. Die Störungen finden ihren Ausdruck einerseits in der Verbreitung von Gewalt in Partnerschaften und Familien, also zwischen den Geschlechtern, andererseits in Rufen nach Todesstrafe oder der Sicht von Tätern als unmenschlich, als Bestien.

Ein Zustand des Friedens scheint dann erreicht, wenn die eine Seite nicht mehr diktiert was die andere zu fühlen und zu denken hat und somit die Wertschätzung vorgibt.

Es wird davon ausgegangen, dass sexuelle Perversionen und Impulse eine reparative Funktion haben. Mit ihr werden in der Lebensgeschichte entstandene Ängste und Grundthemen ausgedrückt. Für das psychische Gleichgewicht haben sie eine Angst reduzierende und stabilisierende Wirkung.

Sexuelle Perversion wird auch als eine erotische Form von Hass beschrieben, die dazu dient, ein Kindheitstrauma in den Triumph des Erwachsenen zu verwandeln.

Vergewaltigung wird als eine Äußerungsform des Sadismus beschrieben. Den Sadismus zeichnet ein nicht Abwehren aggressiver Impulse aus. Der sadistisch Agierende greift das Weibliche an. Er wünscht dessen Unterwerfung und Zerstörung. Sadismus gilt als Ausdrucksform einer sexualisierten, auf andere gerichtete Destruktivität. Die Handlung hat zum Ziel, das Opfer zu beherrschen und darüber zu verfügen.

Die Destruktivität liegt darin, dass im Gegenüber etwas gebrochen und zerstört werden soll, die Eigenständigkeit und die Selbstbestimmung. Es wurden folgende Aspekte sadistischen Ausdrucksverhalten herausgefunden:

  • Demonstration von Männlichkeit,
  • Wut und Hassgefühle,
  • Allmacht und Größenphantasien,
  • Auffüllen innerer Leere.

Groth/Birnbaum haben in ihrer klinischen Arbeit mit Vergewaltigern herausgefunden, dass es eine Personengruppe gibt, die besonders stark gefährdet ist. Bei dieser Personengruppe sind folgende Persönlichkeitsstörungen charakteristisch:

 Gefühle der Wertlosigkeit, 

 Gefühle der Unzulänglichkeit, 

 fehlende Fähigkeit ihr Leben effektiv zu bewältigen und darüber Kontrolle auszuüben.

Diese Personengruppe erlebt sich wie Figuren, über die verfügt wird und die keinen Einfluss auf Situationen und Ereignisse nehmen können. Sie erleben zwischenmenschliche Beziehungen als nicht verlässlich, empfinden andere als Feinde, als Ausbeuter oder Manipulateure. Mit Hilfe der Aggression versuchen sie ihr inneres Gleichgewicht immer wieder herzustellen.

 Täter-Opfer Interaktion im Kontakt mit Helfenden

Praxis Dipl.Psychologe Hans Jörgen Wevers


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